Eine ganze Reihe von Internet-Influencern gerät in die Fänge des Gesetzes: Handelt die Polizei zu langsam oder will sie sie erst „mäst, um sie dann zu schlachten“?

In weniger als einem Monat wurden nacheinander mehr als 10 bekannte Internet-Influencer und TikTok-Stars angeklagt, festgenommen oder unter Ermittlungsaufsicht gestellt – unter dem Vorwurf, gefälschte Waren verkauft und Kunden getäuscht zu haben.

Diese Welle entschlossener Maßnahmen zeigt einerseits, dass ein Eingreifen des Gesetzes notwendig ist, lässt jedoch andererseits Zweifel an der Kompetenz und Transparenz der zuständigen Behörden aufkommen.

Die Öffentlichkeit fragt sich, warum diese betrügerischen Aktivitäten über einen langen Zeitraum hinweg offen und in großem Stil stattfanden, ohne dass die zuständigen Behörden, insbesondere die Polizei, davon Kenntnis hatten?

 

Dabei ist das Verhältnis von Polizeibeamten zur Bevölkerung in Vietnam sehr hoch. Viele Stimmen äußern Zweifel und vermuten, dass es sich hierbei um eine Politik des „Mästen, um dann zu schlachten“ handelt, die darauf abzielt, auf mehreren Ebenen Profit zu erzielen – von Schutzgeldern für die Aktivitäten bis hin zu Kosten für die „Abwendung von Strafverfahren“, wenn Kriminelle überführt werden.

Experten zufolge spiegelt dieses Phänomen jedoch eher große technische und verfahrensrechtliche Herausforderungen bei der Verwaltung wider als den Verdacht auf Profitgier.

Um ein Verfahren wegen Wirtschaftsdelikten oder E-Commerce-Betrugs einzuleiten, müssen die Behörden viel Zeit aufwenden, um Beweise zu sammeln, Geldflüsse nachzuverfolgen und insbesondere festzustellen, ob die Verstöße die Voraussetzungen für eine strafrechtliche Verfolgung erfüllen.

Zudem ist die hohe Dichte an Polizeikräften in Vietnam darauf zurückzuführen, dass sich diese hauptsächlich auf die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung konzentrieren und noch nicht über die fachliche Kompetenz verfügen, um gegen Hightech-Kriminalität vorzugehen.

Um die Missstände grundlegend zu beseitigen und den Verdacht auf Schutzgelderpressung und „Fettmästung zum Schlachten“ auszuräumen, müssen die zuständigen Behörden zwingend von der Denkweise „erst auf Verstöße warten und dann handeln“ zu einer proaktiven Prävention von Anfang an übergehen.

Gleichzeitig muss die rechtliche Haftung grenzüberschreitender E-Commerce-Plattformen verschärft und die Transparenz der Online-Zahlungsströme zwingend gewährleistet werden, anstatt nur die Symptome zu bekämpfen, wenn die Folgen bereits eingetreten sind.

Hong Linh – Thoibao.de